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RatgeberOrientierungsgespräch, Beratung oder Therapie – was passt gerade?
Kurz gesagt: Psychotherapie ist laut Gesetz eine Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, und wer sie als „Psychotherapeutin" oder „Psychotherapeut" ausübt, braucht eine Approbation. Berufliche Beratung und Orientierungsgespräche drehen sich dagegen um Fragen rund um Beruf und Richtung. Welcher Rahmen passt, hängt davon ab, worum es dir gerade geht. Unten findest du eine Entscheidungshilfe in fünf Situationen, Warnzeichen, bei denen du gesundheitliche Hilfe suchen solltest, und die Anlaufstellen dafür.
Was Psychotherapie laut Gesetz ist
Das Psychotherapeutengesetz beschreibt es in § 1 PsychThG so: Ausübung der Psychotherapie ist jede mittels wissenschaftlich geprüfter und anerkannter psychotherapeutischer Verfahren oder Methoden berufs- oder geschäftsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist.
Wer Psychotherapie unter der Berufsbezeichnung „Psychotherapeutin" oder „Psychotherapeut" ausüben will, braucht laut demselben Paragrafen eine Approbation. Und das Gesetz grenzt ausdrücklich ab: Tätigkeiten, die nur die Aufarbeitung oder Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben, gehören nicht zur Ausübung der Psychotherapie.
Sich Unterstützung zu holen, wenn es dir seelisch nicht gut geht, ist ein ganz normaler Schritt.
Was berufliche Beratung ist
Berufliche Beratung behandelt nichts, sondern hilft bei Fragen rund um den Beruf. Ein Beispiel ist die Berufsberatung im Erwerbsleben der Agentur für Arbeit: Sie richtet sich an Beschäftigte und beruflich Wiedereinsteigende und berät zu Weiterbildung, Quereinstieg, Wiedereinstieg und Berufswechsel, vor Ort oder per Video. Daneben gibt es Coaching-Angebote. Weil Ausbildung und Hintergrund dort sehr unterschiedlich sein können, lohnt es sich, bei jedem Angebot nachzufragen, mit wem du sprichst.
Wo das Orientierungsgespräch einzuordnen ist
Damit du weißt, woran du bei mir bist: Mein kostenloses Orientierungsgespräch ist weder eine Therapie noch eine formale Beratung noch ein Coaching. Es ist ein ganz normales Gespräch auf Augenhöhe – ein Rahmen, in dem du deine beruflichen Gedanken in Ruhe sortieren kannst. Ich stelle keine Diagnosen und sage dir nicht, was du tun musst; ich höre zu und stelle Fragen, die dir helfen, selbst klarer zu sehen.
Ich bin keine ausgebildete Therapeutin. Ich bilde mich im Bereich Coaching weiter und sammle dabei Erfahrung – deshalb ist das Gespräch kostenlos. Das gehört ehrlich dazugesagt, damit du selbst entscheiden kannst, ob es für dich passt.
Was passt gerade? Fünf Situationen und die passende Stelle
Oft ist nicht von Anfang an klar, welche Art von Unterstützung du brauchst. Diese Gegenüberstellung ersetzt keine fachliche Einschätzung, gibt dir aber einen ersten Anhaltspunkt.
- „Ich will weg, weiß aber nicht, wohin." Hier geht es um Richtung. Ein Orientierungsgespräch hilft beim Sortieren, die Fragen in Beruflich neu orientieren mit Mitte 20 beim Weiterdenken.
- „Ich weiß, wohin, brauche aber Informationen zu Weiterbildung, Abschluss oder Förderung." Das ist eine Frage für die Berufsberatung im Erwerbsleben der Agentur für Arbeit.
- „Ich überlege zu kündigen und will wissen, was das für mich bedeutet." Kriterien und rechtliche Grundlagen findest du in Job kündigen oder bleiben?. Auskunft zu deinem Fall geben die Agentur für Arbeit und eine Rechtsberatung.
- „Die Arbeit lässt mich auch nach Feierabend nicht los, ich bin dauerhaft erschöpft oder niedergeschlagen." Das gehört gesundheitlich abgeklärt, zuerst in der Hausarztpraxis oder in einer psychotherapeutischen Sprechstunde. Eine berufliche Entscheidung kann warten.
- „Ich halte es gerade nicht aus und brauche sofort jemanden." Dann ist die TelefonSeelsorge die richtige Stelle, bei akuter Gefahr der Notruf 112. Die Kontakte stehen weiter unten.
Mischformen sind normal. Du kannst dir gesundheitliche Unterstützung holen und trotzdem über deinen Beruf nachdenken. Wichtig ist nur die Reihenfolge, wenn es dir schlecht geht: zuerst die Gesundheit.
Wann es um mehr geht als um den Job
Unzufriedenheit im Job ist keine Krankheit. Manchmal steckt hinter der Erschöpfung aber mehr, und das lässt sich nicht allein durch einen Jobwechsel lösen. Laut gesund.bund.de, dem Gesundheitsportal des Bundesministeriums für Gesundheit, zählen eine gedrückte, depressive Stimmung, Freudlosigkeit und wenig Interesse an Dingen, die einem vorher wichtig waren, sowie Antriebslosigkeit und schnelles Ermüden zu den Hauptsymptomen einer Depression. Eine Depression wird laut dem Portal festgestellt, wenn mehrere Haupt- und Nebensymptome zwei Wochen oder länger andauern.
Wenn es um Erschöpfung im Job geht, fällt schnell der Begriff Burn-out. Die Weltgesundheitsorganisation führt Burn-out in der ICD-11 als berufsbezogenes Phänomen, ausdrücklich nicht als Krankheit. Laut gesund.bund.de können sich hinter dem „Ausgebranntsein" auch andere Ursachen verbergen, etwa eine Depression.
Daraus folgt nicht, dass du dich selbst einordnen musst – im Gegenteil. Wenn du dich in diesen Beschreibungen wiedererkennst, ist das ein Grund, mit deiner Hausarztpraxis oder einer psychotherapeutischen Praxis zu sprechen. Ob etwas dahintersteckt und was hilft, klärt eine dafür qualifizierte Fachperson.
Wohin du dich wenden kannst
Bei beruflichen Fragen
Wenn es um Richtung, Entscheidung oder einen nächsten Schritt im Beruf geht: das Orientierungsgespräch (Anfrage unten), die Berufsberatung im Erwerbsleben oder weitere Stellen in der Region, die in Berufliche Orientierung in Reutlingen: Anlaufstellen im Überblick zusammengestellt sind.
Wenn dich deine Situation gesundheitlich belastet
Eine erste Anlaufstelle ist deine Hausarztpraxis. Für eine Psychotherapie braucht es laut 116117.de keine Überweisung. Vor Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung findet immer eine psychotherapeutische Sprechstunde statt, in der es um das Kennenlernen und Abklären geht. Einen Termin dafür kannst du über den Terminservice der Kassenärztlichen Vereinigungen vereinbaren, telefonisch unter 116117 oder online; Praxen in der Nähe findest du außerdem unter psychotherapiesuche.116117.de.
Laut 116117.de darfst du Erstgespräche mit verschiedenen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten führen, denn es ist wichtig, dass die „Chemie" stimmt. Wenn eine Behandlung besonders dringend ist, gibt es die psychotherapeutische Akutbehandlung mit bis zu zwölf Gesprächen zu je 50 Minuten, für die keine Genehmigung der Krankenkasse nötig ist. Für Termine, die die 116117 vermittelt, nennt die Seite eine Wartezeit von höchstens fünf Wochen, bei einer Akutbehandlung höchstens drei Wochen; das ist keine Zusage für einen festen Therapieplatz.
Wenn du sofort mit jemandem sprechen möchtest
Die TelefonSeelsorge ist unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123 erreichbar, Tag und Nacht. Der Anruf ist kostenfrei und anonym; du kannst dort auch mailen oder chatten. Ist jemand akut gefährdet, sollte laut gesund.bund.de die 112 angerufen werden.
Du musst vor der ersten Anfrage keine Diagnose kennen
Wenn sich berufliche Fragen und persönliche Belastung vermischen, musst du sie nicht selbst sauber auseinanderhalten können. Ein Ratgeber kann das für dich ebenfalls nicht entscheiden. Du darfst bei einer ersten Anfrage beschreiben, was dich beschäftigt und wobei du Unterstützung suchst, ohne schon den richtigen Namen dafür zu haben.
Laut 116117.de wird in der psychotherapeutischen Sprechstunde zunächst geklärt, welche Behandlung und welche Therapieform sinnvoll ist. Einen Termin für diese Sprechstunde kannst du über den Terminservice zunächst ohne Vermittlungscode vereinbaren. Eine erste Abklärung ist damit etwas anderes als die eigene Vorentscheidung, dass du eine bestimmte Behandlung brauchst.
Für die Anfrage kannst du kurz notieren: Was belastet dich gerade? Seit wann beschäftigt dich das? Wobei möchtest du Hilfe? Wenn du nicht weißt, wie du anfangen sollst, kannst du auch genau das sagen. Ob und welche Behandlung infrage kommt, klärst du mit einer dafür qualifizierten Fachperson; das kostenlose Orientierungsgespräch mit mir übernimmt diese Aufgabe nicht.
Welche Fragen du vor einem beruflichen Gespräch stellen kannst
Bei beruflichen Angeboten hilft es, den Rahmen vorab zu prüfen. Ein freundlicher Name allein sagt noch nicht, ob du dort Informationen zu einem Berufswechsel, eine fachliche Beratung oder Raum zum Sortieren deiner Gedanken bekommst. Du kannst zum Beispiel fragen:
- Was ist das Ziel des Gesprächs? Geht es um konkrete berufliche Möglichkeiten oder zunächst darum, deine Fragen zu ordnen?
- Welche Qualifikation hat die Person? Lass dir erklären, welche Ausbildung und Zuständigkeit für dein Anliegen relevant sind.
- Was kann das Angebot nicht leisten? Die Grenzen gehören genauso zur Beschreibung wie der mögliche Nutzen.
- Wie läuft der Termin ab? Frage nach Dauer, Ort oder Online-Format und danach, ob du etwas vorbereiten musst.
- Entstehen Kosten oder weitere Verpflichtungen? Kläre das vor einer Zusage, statt es aus der Bezeichnung des Angebots abzuleiten.
Für mein Angebot ist der Rahmen auf der Seite zum kostenlosen Orientierungsgespräch beschrieben: ein vertrauliches, unverbindliches Einzelgespräch für Menschen zwischen 18 und 35, vor Ort in Reutlingen oder online, mit einer Dauer von 60 bis 90 Minuten. Daraus entsteht kein Coaching-Paket. Es ersetzt weder eine Therapie noch eine formale Beratung.
Häufige Fragen zu Orientierungsgespräch, Beratung und Therapie
Brauche ich für eine Psychotherapie eine Überweisung?
Nein. Laut 116117.de braucht es für eine Psychotherapie keine Überweisung. Vor jeder Behandlung steht eine psychotherapeutische Sprechstunde, in der geklärt wird, ob und welche Behandlung sinnvoll ist. Einen Termin dafür kannst du über den Terminservice unter 116117 oder online vereinbaren, zunächst auch ohne Vermittlungscode. Deine Hausarztpraxis ist trotzdem eine gute erste Anlaufstelle, wenn du unsicher bist.
Ist das kostenlose Orientierungsgespräch eine Therapie?
Nein. Das Orientierungsgespräch ist weder eine Therapie noch eine formale Beratung noch ein Coaching, sondern ein ganz normales Gespräch auf Augenhöhe über deine berufliche Situation. Ich stelle keine Diagnosen und behandle nichts. Wenn dich deine Situation gesundheitlich belastet, sind Hausarztpraxis und psychotherapeutische Sprechstunde die richtigen Stellen; das Gespräch mit mir ersetzt sie nicht.
Ist Unzufriedenheit im Job ein Grund für eine Psychotherapie?
Unzufriedenheit im Job ist keine Krankheit. Wenn sie dich aber gesundheitlich belastet, etwa weil du auch am Wochenende erschöpft oder niedergeschlagen bist, lohnt sich eine Abklärung. In der psychotherapeutischen Sprechstunde wird laut 116117.de unter anderem geklärt, ob eine psychische Diagnose vorliegt und ob eine Psychotherapie helfen kann. Du musst das vorher nicht selbst wissen.
Was ist der Unterschied zwischen Coaching und Therapie?
Psychotherapie ist im Psychotherapeutengesetz definiert: als Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, für die Berufsbezeichnung mit Approbation. Coaching kommt in diesem Gesetz nicht vor, und Ausbildung und Hintergrund bei Coaching-Angeboten können sehr unterschiedlich sein. Frag deshalb bei jedem Angebot nach Ziel, Qualifikation, Grenzen und Kosten.
Wie lange muss ich auf einen Psychotherapie-Termin warten?
Für Termine, die die 116117 vermittelt, etwa eine Sprechstunde oder Akutbehandlung, nennt 116117.de eine Wartezeit von höchstens fünf Wochen, bei einer Akutbehandlung höchstens drei Wochen. Das ist keine Zusage für einen festen Therapieplatz. Die Akutbehandlung ist für besonders dringende Fälle gedacht und umfasst bis zu zwölf Gespräche zu je 50 Minuten. Wenn du dich in einer akuten Krise befindest, warte nicht auf einen Termin, sondern nutze die TelefonSeelsorge oder in Notfällen die 112.
An wen wende ich mich, wenn ich sofort mit jemandem reden muss?
Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123 erreichbar. Der Anruf ist kostenfrei und anonym, du kannst auch mailen oder chatten. Wenn du nicht weißt, wie du anfangen sollst, kannst du auch genau das sagen. Ist jemand akut gefährdet, sollte laut gesund.bund.de die 112 angerufen werden.